­čöÄ­čą┤ „Was stimmt nicht mit mir?“ – Wenn der Wunsch nach Gewissheit selbst zum Problem wird

Immer mehr Menschen halten scheinbar kaum aus, keine Erkl├Ąrung f├╝r ihr Verhalten zu haben und werden zu Opfern einfacher Antworten.
woman crying and dollar bills with receipts on desk

Im digitalen Zeitalter werden wir regelrecht ├╝berflutet von einer F├╝lle neuer Informationen. Gerade bei psychischen Problemen neigen wir dazu, die statistische Relevanz von Diagnosen ÔÇô also die H├Ąufigkeit ihres Auftretens ÔÇô zu ├╝bersehen. Gleichzeitig steigt die Unsicherheit ├╝ber unsere eigene Identit├Ąt (Wer bin ich?) und die individuelle Bedeutung (Was macht mich aus?).

Obwohl Social Media als Informationsquelle n├╝tzlich sein k├Ânnen, besteht die Gefahr, dass sie uns in die Irre f├╝hren. Ein paar tr├╝be Tage werden leicht zur Annahme einer depressiven Episode, Konzentrationsst├Ârungen werden als AD(H)S interpretiert, und r├╝cksichtslose Menschen werden schnell zu vermeintlichen Narzissten erkl├Ąrt, w├Ąhrend introvertierte Pers├Ânlichkeiten als potenzielle Autisten betrachtet werden.

Wenn falsche Selbstdiagnosen auf ├╝berf├╝llte Wartezimmer treffen, besteht die reale Gefahr, dass Menschen mit tats├Ąchlichen Problemen keine angemessene Therapie erhalten oder bestimmte St├Ârungsbilder ihre ernsthafte Bedeutung verlieren.

In Anbetracht dieser Herausforderungen ist es wichtig zu hinterfragen: Woher kommt das Gef├╝hl, dass etwas nicht stimmt? Wer kann dabei unterst├╝tzen, Gewissheit zu erlangen? Welche Faktoren spielen eine Rolle, und welche Ma├čnahmen kann man selbst ergreifen, um eine umfassende Kl├Ąrung zu erreichen?

Gr├╝nde f├╝r das Suchen nach einer Diagnose

Es ist grunds├Ątzlich hilfreich, wenn man bei pers├Ânlichem Leiden oder Belastungen im Umfeld nach Ursachen sucht, um die Symptome zu verstehen, Best├Ątigung zu finden, die passende Behandlung zu erhalten oder soziale Unterst├╝tzung zu bekommen. In unserer heutigen Welt gestaltet sich jedoch das Verst├Ąndnis f├╝r das Normale zunehmend schwierig.

Social Media pr├Ąsentiert t├Ąglich ein vermeintlich perfektes Leben, das durch kontinuierliche Selbstoptimierung erreichbar w├Ąre. Dieser Streben nach Perfektion kann jedoch einen betr├Ąchtlichen Tribut fordern.

St├Ąndige Selbstzweifel, ├╝berm├Ą├čige Wachsamkeit gegen├╝ber der Umwelt und intensives Erlebensbewusstsein bilden eine gef├Ąhrliche Mischung, die ernsthafte psychische Probleme verursachen kann. Insbesondere in Zeiten von Krisen und anderen stressigen Situationen ist es wenig ├╝berraschend, dass Menschen bef├╝rchten, mit ihnen k├Ânnte etwas nicht stimmen.

Das Gef├╝hl, dass mit einem etwas nicht stimmt

Menschen, die kontinuierlich das Gef├╝hl haben, dass mit ihnen etwas nicht stimmt, k├Ânnen an vielf├Ąltigen psychischen oder emotionalen Herausforderungen leiden. Ein solches anhaltendes Empfinden kann auf verschiedene Ursachen zur├╝ckzuf├╝hren sein, und es ist von entscheidender Bedeutung zu betonen, dass einfache Selbsttests im Internet keine fundierte individuelle Diagnose erm├Âglichen.

Im Folgenden sind einige allgemeine Gr├╝nde aufgef├╝hrt, warum Menschen solche Gedanken haben k├Ânnten:

Angstst├Ârungen

Personen mit Angstst├Ârungen neigen dazu, st├Ąndig besorgt oder ├Ąngstlich zu sein, und k├Ânnten das Gef├╝hl haben, dass etwas mit ihnen nicht stimmt. Einige sind regelrecht „s├╝chtig“ und „zwanghaft“ nach einer Erkl├Ąrung.

Menschen mit Depressionen haben oft negative Selbstbilder und denken m├Âglicherweise, dass sie fehlerhaft oder unzureichend sind.

Ein niedriges Selbstwertgef├╝hl kann dazu f├╝hren, dass Menschen glauben, dass sie nicht genug sind oder dass mit ihnen etwas nicht stimmt.

Personen, die sich selbst hohe Standards setzen, neigen dazu, ├╝berm├Ą├čig selbstkritisch zu sein und k├Ânnten das Gef├╝hl haben, dass sie diesen Standards nicht gerecht werden.

Menschen, die traumatische Erfahrungen* gemacht haben, k├Ânnen Schwierigkeiten haben, sich selbst zu akzeptieren, und das Gef├╝hl haben, dass mit ihnen etwas nicht stimmt.

*Definition der deutschen Traumstiftung: Als traumatisierend werden im Allgemeinen belastende Ereignisse wie schwere Unf├Ąlle, Erkrankungen und Naturkatastrophen, aber auch Erfahrungen erheblicher psychischer, k├Ârperlicher und sexueller Gewalt sowie schwere Verlust- und Vernachl├Ąssigungserfahrungen bezeichnet. Es ist oft Resultat von Gewalteinwirkung ÔÇô sowohl physischer wie psychischer Natur.┬á

Das Fehlen sozialer Unterst├╝tzung oder die Erfahrung von Einsamkeit kann zu Selbstzweifeln f├╝hren. Gerade in den vergangen Jahren durch Corona haben viele Menschen soziale Isolation erfahren.

Manche Menschen neigen dazu, ihre Gedanken zu verzerrten oder negativen Schlussfolgerungen zu neigen, selbst wenn keine objektive Grundlage daf├╝r besteht. Wobei auch hier Social Media dazu beitragen k├Ânnen, wenn sich Menschen mit ├Ąhnlichen kognitiven Verzerrungen gegenseitig best├Ątigen.

Diese Faktoren sind oft miteinander verkn├╝pft sind und bedingen sich gegenseitig. Es kann notwendig sein, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, um die genaue Ursache zu identifizieren und angemessene Unterst├╝tzung zu erhalten.

Wenn Ängste die Regie übernehmen

├ängste sind oft t├╝ckisch und schwer zu durchschauen. Viele Menschen neigen dazu, lieber von Unsicherheit zu sprechen, da Angst oft als Zeichen von Schw├Ąche betrachtet wird. Es wird mit aller Kraft versucht, sie zu unterdr├╝cken oder zu umgehen.

Unterdr├╝ckte ├ängste ├╝bernehmen jedoch gerne die Kontrolle, und dies wird h├Ąufig erst bemerkt, wenn sich k├Ârperliche Symptome manifestieren. Diese reichen von Muskelverspannungen ├╝ber Kopfschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden, Herz-Kreislauf-Probleme, Atemprobleme, Schlafst├Ârungen, Schwindel, Ersch├Âpfung, erh├Âhtem Blutdruck bis hin zu Konzentrationsst├Ârungen.

Daher sind hier zwei Ängste, die oft mit dem Gefühl einhergehen, dass etwas nicht stimmt:

Die Angst, nicht "normal" zu sein

Die Angst, nicht „normal“ zu sein, kann auf verschiedene individuelle und soziale Faktoren zur├╝ckgef├╝hrt werden. Hier sind einige Gr├╝nde, warum Menschen diese Angst empfinden k├Ânnten:

Sozialer Druck

Gesellschaftliche Normen und Erwartungen k├Ânnen Menschen dazu bringen, sich anzupassen und als „normal“ wahrgenommen zu werden. Die Angst vor Ablehnung oder sozialer Ausgrenzung kann dazu f├╝hren, dass Menschen ihre Einzigartigkeit verbergen und versuchen, sich anzupassen.

Der st├Ąndige Vergleich mit anderen Menschen, sei es in Bezug auf Aussehen, Leistung oder Lebensstil, kann zu dem Gef├╝hl f├╝hren, nicht den Erwartungen zu entsprechen oder nicht gut genug zu sein.

Dieser Vergleich kann zu Unsicherheit und ├ängsten bez├╝glich der eigenen Normalit├Ąt f├╝hren.

In einigen Gesellschaften werden bestimmte Eigenschaften oder Verhaltensweisen stigmatisiert. Menschen, die von der Norm abweichen, k├Ânnen mit Vorurteilen und Diskriminierung konfrontiert sein, was ├ängste hinsichtlich ihrer Akzeptanz verst├Ąrken kann.

Ein niedriges Selbstwertgef├╝hl kann dazu f├╝hren, dass Menschen glauben, dass sie nicht normal oder nicht gut genug sind. Die Wahrnehmung der eigenen Unzul├Ąnglichkeit kann ├ängste vor Ablehnung verst├Ąrken.

Medien, einschlie├člich sozialer Medien, pr├Ągen oft bestimmte Vorstellungen davon, was als „normal“ oder erstrebenswert gilt. Menschen k├Ânnten sich unter Druck gesetzt f├╝hlen, diesen Idealvorstellungen zu entsprechen.

Manche Menschen haben Schwierigkeiten, ihre eigene Identit├Ąt zu akzeptieren oder zu verstehen. Die Unsicherheit dar├╝ber, wer man ist, kann zu ├ängsten vor sozialer Abweichung f├╝hren.

Vielfalt und Individualit├Ąt sind wertvoll. Es gibt keine feste Definition von „Normalit├Ąt“, und jeder Mensch ist einzigartig. Es kann hilfreich sein, Selbstakzeptanz zu f├Ârdern und sich daran zu erinnern, dass es in Ordnung ist, anders zu sein.

Die Angst , "bedeutungslos" zu sein

Die Angst vor Bedeutungslosigkeit bezieht sich auf die Sorge, dass das eigene Leben oder die eigenen Handlungen keinen Sinn oder keine Bedeutung haben. 

Diese Angst kann auf verschiedenen Ebenen auftreten, einschlie├člich pers├Ânlicher, zwischenmenschlicher und existenzieller Aspekte.┬áHier sind einige Gr├╝nde, warum Menschen diese Angst empfinden k├Ânnten:

Fehlende Lebensziele

Wenn Menschen keine klaren Ziele oder einen Sinn in ihrem Leben sehen, k├Ânnen sie das Gef├╝hl haben, dass ihre Existenz bedeutungslos ist.

Ein niedriges Selbstwertgef├╝hl kann dazu f├╝hren, dass Menschen ihre eigenen Beitr├Ąge und Erfolge herunterspielen und das Gef├╝hl haben, dass sie nicht wirklich etwas Bedeutendes leisten k├Ânnen.

Der Mangel an sozialer Verbindung und unterst├╝tzenden Beziehungen kann dazu f├╝hren, dass Menschen sich allein und unbedeutend f├╝hlen.

Wenn die Bem├╝hungen und Leistungen einer Person nicht anerkannt oder gew├╝rdigt werden, kann dies das Gef├╝hl der Bedeutungslosigkeit verst├Ąrken.

Die Frage nach dem Sinn des Lebens und der eigenen Existenz kann existenzielle ├ängste hervorrufen, insbesondere wenn es keine klaren Antworten oder ├ťberzeugungen gibt.

Die Anerkennung der Verg├Ąnglichkeit des Lebens und die Unsicherheit dar├╝ber, ob die eigenen Handlungen dauerhaften Einfluss haben, k├Ânnen ├ängste vor Bedeutungslosigkeit ausl├Âsen.

Ein Mangel an Freude und Erf├╝llung im t├Ąglichen Leben kann dazu f├╝hren, dass Menschen das Gef├╝hl haben, dass ihr Dasein nicht von Bedeutung ist.

Die Suche nach Bedeutung ist eine individuelle und subjektive Reise. Viele Menschen finden Bedeutung in zwischenmenschlichen Beziehungen, kreativen Aktivit├Ąten, pers├Ânlichem Wachstum oder dem Beitrag zur Gemeinschaft.

Besser damit umgehen

Wenn das Gef├╝hl, dass etwas nicht stimmt, in einem aufkommt, ist es von entscheidender Bedeutung, zun├Ąchst mit einer Vertrauensperson dar├╝ber zu sprechen. Diese Person kann einen unterst├╝tzen, sich selbst zu reflektieren und zu hinterfragen, ob es plausible Gr├╝nde f├╝r die eigenen Empfindungen gibt.

Fragen Sie sich: Was tue ich Gutes f├╝r mich? Was tut mir weniger gut? Wie gehe ich damit um? Wie oft g├Ânne ich mir Entspannung? Was macht mir Angst? Was macht mich w├╝tend oder was nervt und stresst mich im Moment? Gibt es Gr├╝nde, die gegen ein psychische Krankheit sprechen? Welche sind das?

Die individuelle Wahrnehmung von Gef├╝hlen, Denkmustern und Verhaltensweisen variiert stark und kann entscheidenden Einfluss auf psychisches Wohlbefinden haben. Professionelle Hilfe, wie etwa von Verhaltenstherapeuten und anderen Fachleuten, kann dabei unterst├╝tzen, diese Aspekte zu erkunden und Wege zur Bew├Ąltigung und Verbesserung zu entwickeln.

Zusammenfassung

Social Media kann zweifellos dazu beitragen, unser Verst├Ąndnis f├╝r verschiedene Themen, Probleme oder Krankheiten zu vertiefen. Doch ein ├ťberma├č an Information kann zu einer ernsthaften Gefahr werden, insbesondere wenn die Suche nach Krankheitsbildern oder Symptomen den Alltag dominiert.

In solchen F├Ąllen kann es ├Ąu├čerst ratsam sein, professionelle Unterst├╝tzung in Anspruch zu nehmen. Ein erfahrener Psychologe oder Therapeut kann einerseits dazu beitragen, konkrete Krankheiten oder St├Ârungen auszuschlie├čen, und andererseits die notwendige Hilfe und Begleitung bereitstellen, um einen gesunden Umgang mit den eigenen ├ängsten und Sorgen zu entwickeln.┬á

Es geht darum, eine ausgewogene Perspektive zu bewahren und die richtige Unterst├╝tzung zur F├Ârderung des mentalen Wohlbefindens zu erhalten.

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