ūüĖ§ūü§ć Die helle & die dunkle Seite der Angst

white and brown wooden tiles

Normalerweise ist Angst eine nat√ľrliche und gesunde Emotion, die Menschen in gef√§hrlichen oder stressigen Situationen dazu anregt, sich zu sch√ľtzen oder Vorsicht walten zu lassen. Sie kann als eine Art Alarmsystem des K√∂rpers dienen, um auf potenzielle Gefahren zu reagieren.

Die meisten Menschen erleben von Zeit zu Zeit √Ąngste oder Sorgen, sei es vor Pr√ľfungen, in sozialen Situationen oder vor neuen Erfahrungen. Diese normalen √Ąngste sind in der Regel vor√ľbergehend und k√∂nnen im Laufe der Zeit abnehmen, wenn die stressige Situation vorbei ist.

Obwohl Angst in vielen Situationen n√ľtzlich ist, kann sie auch problematisch werden, wenn sie √ľberm√§√üig oder unangemessen ist, wie bei Angstst√∂rungen. In diesen F√§llen kann die Angst das t√§gliche Leben erheblich beeintr√§chtigen und professionelle Unterst√ľtzung erfordern, um sie zu bew√§ltigen.

Die helle Seite der Angst

Angst ist eine nat√ľrliche und evolution√§re Emotion, die in bestimmten Situationen einen wichtigen Zweck erf√ľllt.¬†

Sie hat mehrere n√ľtzliche Funktionen:

Angst kann als eine Art Fr√ľhwarnsystem dienen, das den K√∂rper auf m√∂gliche Gefahren vorbereitet. Wenn eine Person eine bedrohliche Situation wahrnimmt, beispielsweise die Anwesenheit eines Raubtiers oder eine lebensbedrohliche Situation, tritt die Angst in Aktion. Sie erh√∂ht die Aufmerksamkeit und Bereitschaft zur Flucht oder zur Verteidigung und mobilisiert die k√∂rperlichen Ressourcen, um schneller reagieren zu k√∂nnen.

Angst kann Menschen dazu veranlassen, vorsichtiger und achtsamer zu sein. Zum Beispiel kann die Angst vor Verletzungen dazu f√ľhren, dass man bei riskanten Aktivit√§ten wie Klettern oder Fahren langsamer und vorsichtiger vorgeht.

Angst kann das Lernen von gef√§hrlichen oder unangenehmen Erfahrungen f√∂rdern. Wenn eine Person eine unangenehme Situation erlebt hat, die Angst ausgel√∂st hat, wird sie sich wahrscheinlich daran erinnern und zuk√ľnftige √§hnliche Situationen vermeiden, um sich zu sch√ľtzen.

In sozialen Gruppen kann Angst als soziale Emotion dazu beitragen, dass Menschen enger zusammenr√ľcken und sich gegenseitig unterst√ľtzen. In Gefahrensituationen kann Angst dazu f√ľhren, dass Menschen sich zusammentun, um gemeinsam besser gegen Bedrohungen vorgehen zu k√∂nnen.

Angst kann auch dazu beitragen, dass Menschen Probleme aktiv angehen und L√∂sungen suchen, um die Ursache ihrer Angst zu bew√§ltigen. Dies kann in nicht lebensbedrohlichen Situationen dazu f√ľhren, dass Menschen Ma√ünahmen ergreifen, um die Quelle ihrer √Ąngste zu reduzieren oder zu beseitigen.

Die dunkle Seite der Angst

Krankhafte Angst unterscheidet sich von normaler Angst in mehreren wesentlichen Aspekten:

Menschen mit Angstst√∂rungen erleben oft eine √ľberm√§√üige und unangemessene Intensit√§t von Angstgef√ľhlen. Diese √Ąngste k√∂nnen √ľberm√§√üig stark sein, selbst wenn es keine offensichtliche Bedrohung gibt.

W√§hrend normale √Ąngste vor√ľbergehend sind und nach der Bew√§ltigung der Stresssituation abklingen, k√∂nnen Angstst√∂rungen √ľber einen l√§ngeren Zeitraum bestehen bleiben. Sie k√∂nnen Wochen, Monate oder sogar Jahre dauern.

Angstst√∂rungen k√∂nnen das t√§gliche Leben erheblich beeintr√§chtigen. Sie k√∂nnen dazu f√ľhren, dass Menschen bestimmte Aktivit√§ten vermeiden, Beziehungen leiden und die berufliche oder schulische Leistung negativ beeinflusst wird.

Menschen mit Angstst√∂rungen haben oft Schwierigkeiten, ihre √Ąngste zu kontrollieren oder zu beruhigen. Diese √Ąngste k√∂nnen unvorhersehbar auftreten und sich schwer kontrollieren lassen.

Angstst√∂rungen gehen h√§ufig mit k√∂rperlichen Symptomen einher, wie zum Beispiel Herzrasen, Schwei√üausbr√ľchen, Zittern, √úbelkeit und Muskelspannung. Diese k√∂rperlichen Reaktionen k√∂nnen die Angst verst√§rken.

Verschiedene Arten von Angstst√∂rungen erfordern oft eine professionelle Behandlung, die psychotherapeutische Ans√§tze wie kognitive Verhaltenstherapie und in einigen F√§llen auch Medikamente umfassen kann. √Ąngste entstehen¬†z.B. auch bei einer Schilddr√ľsen√ľberfunktion (Hyperthyreose) oder im Rahmen einer Psychose bei Depressionen oder Schizophrenien.¬†

Lassen Sie sich neurologisch, psychiatrisch und psychologisch abchecken, um eine klare Diagnose und damit auch die richtige Behandlung zu erhalten. 

Phobien vs. andere √Ąngste

Oft können Menschen klar sagen, wovor sie Angst haben, manchmal ist es gar nicht so leicht. Phobien werden anderen Angststörungen unterschieden, weil sie unterschiedliche Herangehensweisen erfordern, um gelindert oder geheilt werden zu können.

Phobien

Als Phobien werden andauernde, √ľbersteigerte und unbegr√ľndete √Ąngste vor einem bestimmten Reiz oder Zustand und dessen Vermeidung bezeichnet. Beispiele:

  • Agoraphobie: Angst vor Menschenmengen, √∂ffentlichen Pl√§tzen, allein Reisen oder mit weiter Entfernung
  • soziale Phobie: Angst im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen und sich peinlich oder erniedrigend zu verhalten
  • Achimophobie: Angst vor Spritzen
  • Akrophobie: H√∂henangst
  • Tierphobien, z.B. Angst vor Spinnen (Arachnophobie)
  • Klaustrophobie: H√∂hlenangsst, Angst vor engen / geschlossenen R√§umen
  • Aviophobie: Flugangst
  • Examensangst

weitere Angststörungen

St√∂rende √Ąngste, die nicht eindeutig auf ein ausl√∂sendes Objekt oder eine Situation zur√ľckzuf√ľhren¬†sind, z.B.

  • Panikst√∂rung
  • generalisierte Angstst√∂rung
  • Angst und depressive St√∂rung gemischt

Wenn √Ąngste die Kontrolle √ľbernehmen, also unser Denken, F√ľhlen und Handeln, dann k√∂nnen weitere Krankheiten entstehen, wie Zwangsst√∂rungen, dissoziative oder somatoforme St√∂rungen.

Und es ist auch bekannt, dass Angstst√∂rungen h√§ufig in Depressionen √ľbergehen oder mit Suchterkrankungen einhergehen.

Was zuerst da war ist ebenfalls ausschlaggebend f√ľr den Ablauf und Erfolg einer Therapie.

 

Entweder entspannt oder ängstlich, beides geht nicht

Ein Pionier der Verhaltenstherapie, Joseph Wolpe (1915-1997) hatte erkannt, dass kein Mensch f√§hig ist, zwei widerspr√ľchliche Gef√ľhlszust√§nde gleichzeitig zu erleben.

Es ist z.B. unmöglich, große Angst zu empfinden und gleichzeitig dabei sehr entspannt zu sein.

Das Prinzip nennt sich „reziproke Hemmung“ genannt und wird von unserem K√∂rper an vielen Stellen genutzt, auch z.B. um Bewegungen und Reflexe pr√§ziser zu steuern.

Die Psychotherapie macht sich das zu Nutze, indem sie Methoden und Techniken zur Entspannung einsetzt, z.B. progressive Muskelentspannung, Atem√ľbungen, autogenes Training, Meditation, Yoga, etc.

um anschließend im entspannten Zustand die Betroffenen

  • mit den angstausl√∂senden Reizen konfrontieren und systematisch desensibilisieren zu k√∂nnen
  • bzw. mithilfe der kognitiven Verhaltenstherapie ein Umdenken und Umlernen der dysfunktionalen Gedanken zu unterst√ľtzen ¬†

Der Angst den Schrecken nehmen

Diffuse √Ąngste sind √Ąngste, die wir kaum benennen k√∂nnen und die oft wenig logisch erscheinen.¬†

Gerade sie haben das Zeug dazu, die Kontrolle √ľber uns, also √ľber unser F√ľhlen, Denken und Handeln zu √ľbernehmen und uns krank zu machen.¬†

Beispiele f√ľr diffuse √Ąngste:

  • Angst, die Kontrolle zu verlieren
  • Angst, sich das Leben nicht mehr leisten zu k√∂nnen
  • Angst, sozial oder wirtschaftlich abzurutschen
  • Angst, dass etwas NICHT funktionieren wird
  • Angst, dass alles den Bach heruntergeht
  • Angst, im Stich gelassen zu werden
  • Angst, alles zu verlieren
  • Angst, wie es werden wird
  • etc.
Diese √Ąngste versperren uns den Blick auf die Realit√§t und k√∂nnen uns handlungsunf√§hig machen oder panisch reagieren lassen.¬†
 
Wenn wir anderen Menschen mit √§hnlichen √Ąngsten begegnen, k√∂nnen sie sich best√§tigen und verst√§rken. Es entsteht die Angst vor der Angst.

Wie sich das, was Sie sehen und denken auf ihre Angst auswirkt, k√∂nnen Sie ganz einfach √ľberpr√ľfen.

  1. √úberlegen Sie, wovor Sie sich f√ľrchten
  2. Suchen Sie im Internet nach Beweisen
  3. F√ľhlen Sie, wie sich die Angst entwickelt

Und jetzt drehen wir das ganze einmal um

  1. Überlegen Sie jetzt, wie es ist, wenn ihre Angst im Unrecht wäre, also wenn etwas gut ausgeht
  2. Suchen Sie nach Beispielen im Internet, die das beweisen
  3. Wie f√ľhlen Sie sich jetzt? √úberrascht, irritiert, skeptisch oder erleichtert?
Im Beitrag von ARTE „Was, wenn es keine Angst g√§be“ erkl√§rt der Neurowissenschaftler, Joseph Ledoux, wie unser Denken unsere Gef√ľhle beeinflusst.

Mit √Ąngsten umzugehen, also wieder die Kontrolle dar√ľber zu haben, was man denkt, f√ľhlt und wie man handelt, kann erlernt werden. Daf√ľr werden angstausl√∂sende Gedanken und Bilder z.B. im Rahmen einer kognitiven Verhaltenstherapie so bearbeitet, dass sie nach und nach ihren Schrecken verlieren.

Und die gute Nachricht ist: Das geht ist bis ins hohe Alter möglich!
 

Zusammenfassung

Angst ist ein Gef√ľhl, das wie Wut, Traurigkeit, Scham und Freude zum Menschsein dazugeh√∂rt. Wovor wir uns manchmal f√ľrchten, ist gar nicht so klar und kann sehr viele unterschiedliche Ursachen haben.

Sobald wir oder andere darunter leiden, weil wir uns vor bestimmten Situationen oder Objekten so sehr f√ľrchten, dass wir sie vermeiden, zwanghaftes Denken oder Verhalten entwickeln, nur noch schwarz/wei√ü sehen, Panikattacken, depressiv oder paranoid werden, Schmerzen oder anderen k√∂rperliche Symptome entwickeln, ist es Zeit, sich professionelle Hilfe zu suchen.

Niemand muss unter der Angst leiden. Es gibt viele Möglichkeiten und Wege um angstfreier zu leben.

Nach oben scrollen
Skip to content