Zwischen Reiz und Reaktion

Dazwischen war früher kein Raum

Wenn ich früher gespürt habe, dass Menschen leiden,
dann war da keine Pause.
Kein Zögern.
Nur eine innere Anspannung.
Ein Impuls.
Ein Reflex.

Ich musste was tun. Helfen.
Mich kümmern. Etwas reparieren.
Bevor andere fallen, tue ich etwas dagegen.

Ich nannte es Mitgefühl.
Doch oft war es Angst.
Vor Ohnmacht.
Vor Hilflosigkeit.
Vor dem Aushalten des Leids.

Ich handelte, ohne zu fragen.
Und häufig war mein Handeln der Grund,
warum sich nichts änderte.

Erst mit der Zeit wurde mir klar:
Ich war Teil dieser Dynamik.
Teil der Überforderung.
Teil der Ohnmacht.
Teil der Hilflosigkeit, auch meiner eigenen.

Denn Helfen, das aus Angst kommt,
macht müde.
Und bitter.
Und wütend und frustriert.
Auch auf mich selbst.

Ich weiß heute, woher das kam:
Dieses Muster hat seine Wurzeln in meiner Geschichte.
Aus früher Parentifizierung. Ich wurde als Kind gebraucht, bevor ich gelernt hatte, mich selbst zu fühlen.

Doch statt dass es heilen durfte, wurde es später nur verstärkt:
In meinem Job wurde dieser Motor benutzt.
Von mir und von anderen.

Meine Anspannung, meine Initiative, meine Energie.
Sie wurden vereinnahmt.
Ich habe immer Leistung gebracht.
Und andere haben sich damit geschmückt.
Mein Helfen wurde nicht geehrt, sondern verbraucht.

⚡️ Irgendwann habe ich beschlossen: Schluss damit!
Ich will es anders.
Ich will die Kontrolle darüber, was ich tue und was nicht.

Und dieser Entschluss hatte Konsequenzen.
Ich musste einiges verlassen, abbrechen, aufgeben.
Auch Dinge oder Menschen, die mir viel bedeutet haben.

Doch es war notwendig.
Denn ich wollte nicht mehr der sein, die sich verliert,
um andere zu retten.

Heute versuche ich, den Raum zwischen Reiz und Reaktion zu spüren.
Ich frage.
Ich warte.
Ich atme.
Ich spüre.
Ich überlege.

Manchmal helfe ich,
indem ich einfach da bin,
ohne zu handeln.

Oder wenn ich gebeten werde
und selbst entscheiden kann,
ob ich wirklich will.

Oder wenn ich einen klaren Auftrag erhalte –
und Ja dazu sagen möchte.

Egal ob als Freund, Ehemann, Sohn, Bruder, Therapeut, Coach oder Berater.

Es ist noch weit weg von perfekt.
Aber es wird besser. Jeden Tag.

💬 Wie gehst du mit deinem eigenen Reflex um?
Ich bin gespannt auf eure Gedanken.

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