Was macht ein Arbeitsplatz mit unserer mentalen Gesundheit?
„Zur Resilienz gehört auch zu wissen, was einen krank macht – nicht nur, was einen gesund macht.“
Ich habe erlebt, wie meine eigenen Muster, verstärkt durch Unternehmenskultur und Führungsverhalten, in extreme Gegensätze führten:
Vom Hochgefühl der Selbstwirksamkeit zum Absturz in Ohnmacht, Erschöpfung und Sinnlosigkeit. Und wieder von vorn.
Was ich damals nicht wusste: Das nennt sich bipolare Dynamik.
Das Hin und Her zwischen Manie und Depression, zwischen „himmelhoch jauchzend“ und „zu Tode betrübt“.
Ein System, das nur Positives hören will.
Und das gleichzeitig alles als schwach abstempelt, was stört, zögert oder hinterfragt.
Es gibt Menschen mit und ohne Führungsverantwortung, die genau das befördern:
👉 Lob, wenn man rennt oder angepasst ist
👉 Kritik, wenn man die Harmonie stört
👉 Hilfe, die gar keine ist
Niemand hat mir erklärt, was da mit mir passiert – nicht einmal mein damaliger Therapeut.
Heute kann ich es benennen:
Mentale Gesundheit ist kein rein individuelles Thema.
Sie entsteht – oder zerbricht – im Zusammenspiel von Person und Organisation.
Und genau dort, im täglichen Umgang, in Führung, Struktur und Kultur, wird sie geformt.
Doch viele Menschen funktionieren.
Nach außen: „alles tippitoppi“. Leistung. Haltung. Fassade.
Doch innen: Leere. Abgestumpftheit. Taubheit.
Nur noch Extreme sind spürbar: Schmerz oder Rausch, Leistung oder Rückzug –
👉 in Hobbys, Sport, Erfolg, Beziehungen oder Anpassung.
Und dazwischen?
Nichts, was wirklich fühlbar ist.
Wer sich darin erkennt, sollte auch auf das System schauen, das diese Dynamiken erzeugt und verstärkt.
Burnout ist keine Schwäche.
Es ist oft eine gesunde Reaktion auf eine ungesunde Realität.
🧭 Und das ist der entscheidende Punkt:
Ein System, das sich selbst nicht reflektiert
und keine Ehrlichkeit über sich selbst entwickelt,
übernimmt keine Verantwortung –
und damit auch kein Leadership.
Es verlagert emotionale Kosten und Überforderung auf Einzelne –
nennt das dann „Eigenverantwortung“,
bietet Resilienz-Trainings an –
und übersieht die systemseitig erzeugte Erschöpfung.
Das ist keine Führung.
Das ist Verantwortungsverschiebung mit freundlichem Anstrich.
🤝 Gesundheit ist gemeinsame Verantwortung.
Organisationen, die Wandel wollen, brauchen:
- echtes Interesse,
- strukturelle Reflexion,
- bewusste Veränderungen,
- und: Haltung.
Aber Vorsicht:
Echte Veränderung braucht Mut – oder Schmerz.
Das eine ist bewusst. Das andere kommt von allein.
Doch im Ernst:
Verantwortung muss man gemeinsam aushandeln.
Sie muss gegenseitig geprüft werden –
wer wozu bereit ist.Nicht einseitig zugewiesen,
nicht abgeschoben,
nicht übergestülpt.
Das war früher – und hat nur ein ‚die da oben‘ und ‚die da unten‘ geschaffen.
Jetzt ist: Transformation.
👉 Wie erlebst du das Thema mentale Gesundheit in deiner Organisation?
👉 Was müsste sich deiner Meinung nach ändern?