die Kraft verdrängter Gefühle
Ich wurde von meiner Mutter und meinen Großmüttern erzogen.
Mit ihnen kam ein ganz bestimmter Umgang mit Gefühlen:
Angst war immer da.
Nicht anecken. Nicht laut werden. Nicht auffallen. Nicht zu viel sein.
🧨 Wut war nur erlaubt, wenn das Fass überlief.
Auf der anderen Seite standen mein Vater und meine Großväter.
Auch sie konnten mit Gefühlen nicht wirklich gut umgehen.
Angst zeigen war tabu. Sie taten es dennoch.
Nicht schwach sein. Nicht nachgeben. Nicht mitfühlen.
💪 Wut war jederzeit erlaubt, als Tarnung vor der Angst.
Ich entwickelte schon als Kind eine sogenannte Beißhemmung.
Wut war böse. Angst war legitim.
Während andere Jungs ihre Wut offen zeigten, sich rauften, Kräfte maßen, wurde ich immer unsicherer, ging ihnen aus dem Weg.
Und wenn ich es nicht konnte, wurde ich auch mal verprügelt.
Kaum ein Mann in meinem Umfeld hatte Verständnis dafür, dass ich mich nicht wehrte. Zu weich. Zu schwach. Zu verletzlich.
Damals entstand meine Sehnsucht nach einer heilen Welt:
Ohne Gewalt. Ohne Zorn. Ohne Wut. 💚
Dieses Bild habe ich lange verteidigt.
Ich habe gelernt, meine Wut zu kontrollieren.
Mehr noch: Ich habe gelernt, sie zu unterdrücken.
Und ich habe das über eine Angst gemacht:
Die Angst, wenn ich mich wehre, könnte etwas Schlimmes, etwas Unumkehrbares geschehen.
Also lernte ich, alles zu ertragen.
Ich verlor meine Grenzen und entwickelte eine Art Gleichgültigkeit.
Nichts konnte mir scheinbar etwas anhaben.
Doch im Leben geriet ich ich immer wieder in Situationen, die viel früher ein „Stopp. So nicht!“ gebraucht hätten. 🛑
Ein „Nein, das ist für mich nicht in Ordnung.“
Vielleicht hätte mir das ein Burnout erspart.
Oder ein paar depressive Episoden.
Denn so eine Beißhemmung ist alles andere als gesund.
Sie ist eine Aggression nach innen.
Aber das Gegenteil, unkontrollierte Wut, ist es auch nicht viel besser.
💡 Impulsivität ist das schnelle, oft unreflektierte Reagieren auf einen inneren Impuls. Egal ob auf Angst oder Wut.
Oft ist sie ein Abwehrmechanismus, um das nicht fühlen zu müssen, was eigentlich wehtut.
Echte psychische Flexibilität entsteht aber im spannungs:RAUM
– zwischen Angst und Wut,
– zwischen Selbstunterdrückung und Explosivität,
– zwischen Beißhemmung und Bissigkeit.
In den letzten Jahren habe ich begonnen zu lernen:
▶️ Wut und Angst müssen nicht unterdrückt werden.
▶️ Wut muss auch nicht explodieren.
▶️ Angst muss nicht in Unterlassung enden.
▶️ Beide brauchen Verständnis und klare Grenzen.
▶️ Beide sind hilfreich, wenn es um unsere Grenzen geht.
Ich habe angefangen, Angst und Wut besser zu spüren.
Und ihnen besseren Ausdruck zu geben. 🌱
Impulse, Ideen und Thesen hatte ich viele.
Aber was davon ist das Richtige?
Die Antwort entsteht nicht im Kampf für das Eine oder gegen das Andere.
Sondern im Raum dazwischen.
👉 Wie gibst du deinen Emotionen Raum? Was hilft dir dabei?
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